Das erste Brezelfest 1883Im Jahre 1883 schlug die Geburtsstunde des heute weit über die Gemeindegrenzen hinaus bekannten, wegen seiner Originalität und Volkstümlichkeit so beliebten Kirchhellener Brezelfestes.

Eine Gruppe trinkfester „Dörper", die ausgiebig das Allgemeine Bürgerschützenfest gefeiert hatten, saß dienstags nach dem ersten Septembersonntag 1883 int' Dorp beim Frühschoppen und klönte. Es schien ihnen schwer zu fallen, den Weg ins normale Alltagsleben zurückzufinden und plötzlich stand die Idee im Raum, die alle begeistert aufnahmen. Weinhändler Feldmann, Theodor Allekotte, Johann Schumacher, Franz Xanten u. a. riefen aus: „Wir machen ein Stutenfest!!!"

Spornstreichs marschierten die alten Strategen beim Bäcker Kleppe auf, erstanden mit Halloh einen großen Stuten und brachten ihn im Triumphzug nach Pels in der Bräuke. Als Ersatz für die fehlende Dorfmusik wurden mit Ausdauer und Getöse alte Pottdeckel zusammengeknallt und als Begleitmusik mitgeführt. An einer fast sechs Meter langen Stange wurde dann der Stuten aufgerichtet und schon bald hatten sich über fünfzig Pohlbürger eingefunden, die sich als Stutenwerfer versuchen wollten. Als Wurfgeschosse wählte man gewöhnliche Feldsteine. Von jedeWurf auf den Stuten in den Anfängen des Brezelfestesm Teilnehmer wurden 25 Pfennig Einstand erhoben. Der Erlös sollte dem „Stutenkönig" zur Verfügung stehen, damit er seine Untertanen standesgemäß bewirten konnte.

An jenem Tage ließ die Verfassung und Zielsicherheit der Teilnehmer sehr zu wünschen übrig. Aber trotzdem hielten alle „bei der Stange". Allerdings sollen über hundert Wurf auf den Stuten nur zu zwei Treffern geführt haben. Viele bewarben sich um die Königswürde und es setzte ein regelrechter Wettstreit ein. Schließlich war der Anstreichermeister Franz Xanten der Glückliche, der nach kräftigem, wohlgezielten Wurf mit einem Stein die Reste des Stutens von der Stange holte. Mit Trara wurde er zum ersten Kirchhellener Stutenkönig proklamiert. Jedem eingetragenen Stutenwerfer verlieh König Franz I. den „Xantenschen Hausorden" in Form eines Brezels am Bande. Zur Königin wählte der stolze Monarch Fräulein Lisette Otterbeck. Die Stutenkönigin wurde bei der Hauswäsche überrascht. In aller Eile wurden einige Ehrendamen ernannt und gleich darauf ging es in Werktagskleidung zu einem Zug durch das Dorf.

So entstand aus bescheidenen Anfängen ein echtes Volksfest. In den folgenden Jahren wurde es stets so gehalten.

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